Bye bye Adfarms!
Wie SL-Bewohner seit langem versuchten, sich gegen Wucherpreise für kleinste Landstückchen zu wehren
Network advertising (Ad Farming) will no longer be permitted on the Linden Mainland unless you have a written agreement with Linden Lab (essentially meaning a license to advertise). Anyone currently operating such a business inworld will need to remove their adverts by the 1st October 2008
So steht es seit kurzem im Second-Life Blog. Mit dieser neuen Regelung entspricht Linden einem Anliegen zahlreicher Besitzer von Mainland. Denn dort wurde und wird der Ausblick nicht selten von ganzen Werbetürmen verunstaltet.
Für Landbesitzer ist die detailreiche Gestaltung ihrer Umgebung stets ein kleines Abenteuer, an dessen Ende sie die Früchte ihrer Arbeit, ein möglichst perfekt in Szene gesetztes Traumland, genießen wollen. Was stört es da, wenn der Nachbar sein kleines Stück Land direkt an der Grenze verkauft – der neue Anwohner wird hoffentlich kein allzu häßliches Mauerwerk hineinsetzen. Tatsächlich war es häufig kein Haus, kein Flugplatz oder unschönes Gebirge, das fortan die Aussicht störte: Worüber sich mehr und mehr Bewohner des Zweiten Lebens ärgerten, war der Anblick von auf- und aneinandergestellten, sich ewig um sich selbst drehenden Würfeln, bedruckt mit Werbeslogans und Logos. Denn windige Geschäftemacher hatten schnell heraus, wie sie mit wenig Mühe möglichst viel Gewinn machen, indem sie ein wenig Land kaufen, es mit Werbewürfeln verunstalten und den Nachbarn dann zum Kauf anbieten.
Auf dem Mainland wimmelte es mancherorts nur so von Bauklotz-Türmchen – und es kam nicht selten vor, dass Landbesitzer, die dem optischen Elend ein Ende machen wollen, sich genötigt sahen, das Werbeland eben aufzukaufen. Und das gestaltet sich nicht gerade billig.
Niederländer Timo Daehlie hat von diesem Treiben die Nase schon lange gestrichen voll. „Ad farms“ nennt er die Ansammlungen von Werbung auf ansonsten freiem Gelände und hatte sich vorgenommen, der Sache Einhalt zu gebieten. „Ad Zoo“ hat er sein Stück Land genannt, auf dem er, gemeinsam mit Verbündeten, über die erfolgreichsten Würfel-Werber informiert und konkrete Lösungen für Bewohner vorstellt, die sich durch sie gestört fühlen. Die Würfel-Schikane werde in der Hauptsache dazu benutzt, den Anreinern schlichtweg Wucherpreise für das Land aus der Tasche zu ziehen. „Ich würde das eigentlich gar nicht Werbung nennen, im Prinzip ist es wie Erpressung“, findet Daehlie. Denn er glaubt, dass es diesen Werbetreibenden in Wirklichkeit in erster Linie darum geht, den Nachbarn das verunstaltete Land zu überzogenen Preisen zu verkaufen. Wollen die ihre Aussicht wiederhaben, bleibt ihnen schließlich nichts anderes übrig, als das Land zu erwerben. Ist das erst einmal geschehen, hat der genervte Nachbar sein Problem zwar erfolgreich gelöst – er ist die Werbehaufen losgeworden –, der Würfelwerber aber hat dann noch mehr Kapital zur Verfügung, um sein trickreiches Geschäft woanders fortzusetzen. Das ist der Grund, warum Daehlie in seinem Zoo auch „Adnimals“ ausstellt. So hat er die betrügerischen Werbemacher getauft.
Direkt neben dem Adzoo finden sich gute Beispiele für die Zustände, die Dahlie und seine Mitstreiter anprangern. 9541 Lindendollar werden dort beispielsweise für ein Stück Land verlangt, das lächerliche 16 Quadratmeter misst und mit einer schwarz-gelben Säule samt Smiliegesichtern versehen ist. Ein normaler Preis wären dort 4600 Lindendollar – für 512 Quadratmeter.
Um sich vor solchen Machenschaften zu schützen, haben findige SL-Bewohner Gruppen gegründet, die organisiert Land aufkaufen, um es vor dem Zugriff der Adnimals zu bewahren. Eine davon ist die „Arbor Group“, die mehr als 400 Mitglieder zählt. An solche Gruppen konnten sich Landbesitzer wenden, wenn ein kleines Stück Land in der Nähe des Eigenen frei wurde. Aus Spendengeldern wurde das Land erworben, bepflanzt und, sollte irgendwann Bedarf bestehen, an einen der Nachbarn für wenig Geld verkauft. 
Timo Daehlie demonstrierte im Ad Zoo unter anderem eine Lösung für alle, die in eine weitere Falle getappt sind: Sie haben Land gekauft, das in der Mitte ein „Loch“ aufwies, in dem der Vorbesitzer nun Werbesäulen platzierte. Im Ad Zoo wird vorgemacht, wie das Problem beseitigt werden kann, ohne auf die immensen Kaufpreise der Anbieter einzugehen. Um die Löcher in seinem Grundstück hat Daehlie einfach ansehnliche Türme gebaut. Der Kauf nämlich käme ihn teuer: Fast eine Million Lindendollar will der Besitzer für jede der Miniparzellen haben. Der wird nun wohl endgültig in die Röhre schauen.

Betrifft das eigentlich auch einzelne Parzellen mit nur einem Werbeschild?
Dem Wortlaut nach kommt es darauf an, ob der Werber nur einzelne Tafeln besitzt oder eine größere Anzahl an Werbetafeln hält. Ich geb dir recht. Nicht gerade klar formuliert und sehr auslegungsfähig.