Funaria und die FAZ
Heute, am 16.5.09, erscheint in der FAZ ein Artikel unter meinem Namen, der aber nur zum Teil von mir ist.
Nachdem ich den ersten Entwurf der Redakteurin abgelehnt hatte, schrieb ich ihren Artikel komplett um. In einem Telefongespräch haben wir uns dann auf einen Kompromiss geeinigt. Leider wurden nach unserem Gespräch dann noch einmal kleine Änderungen vorgenommen, mit denen ich nicht einverstanden bin. Vor allem die Überschrift des Artikels passt mir gar nicht. Es wird sehr deutlich, dass die Redaktion einen Artikel über die “Geisterstadt” Second Life erwartet hat. Den konnte ich aber nicht liefern, und so hat man trotzdem in Nebensätzen versucht, an der geplanten Aussage festzuhalten.
Ich habe daraus gelernt und mache in Zukunft einen noch größeren Bogen um die Presse.
Meinen veränderte Fassung des ersten Entwurfs setze ich der Vollständigkeit halber hier ins Blog:
Mein erstes Zuhause war Slate. Ich lernte die Wohngemeinschaft von Slate bei einer Veranstaltung für Neulinge kennen. Mit großer Herzlichkeit bot man mir ein Haus mitten auf einem grünen Hügel an. Slate liegt auf dem Hauptkontinent von Second Life, einer Welt, die es nur im Internet gibt.
In Slate gab es einen zentralen Platz und eine Fläche zum Tanzen. Wenn ich um ein Uhr müde wurde und schlafen ging, schaute ich vorher noch bei meinen Nachbarn vorbei. Wir erzählten uns, was wir erlebt hatten, welche Orte wir entdeckt hatten und vieles mehr. Manche erzählten auch von ihrem Leben in Texas, von Autorenlesungen in hawaiianischer Sprache, von ihren Rückenproblemen. Es gab ein Mädchen, das eigentlich im Rollstuhl sitzt. Aber in Second Life konnte sie tanzen, und sie schwärmte davon, wie wunderbar das für sie sei. Sie liebte das Gefühl, als jemand wahrgenommen zu werden, der sich ganz normal bewegen kann. In Second Life gibt es auch Selbsthilfegruppen für Menschen mit Angstneurosen. Einmal unterhielt ich mich mit einer Frau, die unter einer Sozialphobie litt, sich also nicht unter Menschen traute. In Second Life übte sie, sich mit Leuten zu unterhalten.
Heute ist Slate nur noch ein zerpflücktes Stück Land, die Wohngemeinschaft gibt es nicht mehr. Die Menschen haben sich zerstreut, aber mit einigen von ihnen habe ich immer noch Kontakt. Sie sind inzwischen in anderen Gruppen aktiv, haben Wolkenkratzer gebaut oder engagieren sich noch immer für Neulinge, wie ich einer gewesen bin.
Mein erstes Zuhause gibt es nicht mehr.
Anders als in der wirklichen Welt hinterlassen wir in einer virtuellen Welt keine Spuren. Ganze Landstriche können einfach umgebaut oder gelöscht werden. Wir Menschen sind es, die bestimmen, wie die Welt aussieht. Das Bauen muss man sich vorstellen, als bearbeite man elektronische Knetmasse. Man kann sie per Mausklick dehnen, aushöhlen, mit Texturen überziehen, Gelände und Wasserstand anheben und absenken. Second Life funktioniert wie ein Wiki. Andauernd kommt etwas Neues hinzu, das Menschen wie ich erschaffen.
Quellen der Geschichte sind nur wir, die Avatare, die Figuren, die von den Orten erzählen können und vielleicht noch zufällig ein Foto von einer Platz mit uns tragen. Wie wird sich ein Historiker in hundert Jahren über die Anfänge der Virtualität informieren?
Second Life gibt es seit 2002, öffentlich zugänglich ist es seit 2003.
Als Funaria, mein Avatar, 2005 geboren wurde, war Second Life noch immer ein Geheimtipp. Die Welt, die aus vernetzten Computern besteht, war überschaubar und man kannte einander aus Foren oder lief sich über den Weg.
Fiktive Welten faszinieren mich, die Möglichkeit, in einen fremden Kosmos einzutauchen, ihn zu erkunden, seine Grenzen zu erfahren. Second Life gibt mir kein Ziel vor. Die Welt ist offen, ich kann in ihr meinen Interessen nachgehen. Ich kann anderen Menschen beim Gestalten ihrer Phantasien zuschauen. Es ist, als würden wir den Mond besiedeln, als könnten wir noch einmal ganz neu anfangen.
Die Presse entdeckte Ende 2006 Second Life, und das sollte meine Welt nachhaltig verändern. Plötzlich brach eine Geburtenschwemme über uns herein. Ich war damals in einer Gruppe, die als Mentoren versuchte, Neulingen den Einstieg in unsere Welt zu erleichtern. Da es noch wenige Deutsche gab, die sich in Second Life auskannten, aber viele neue Bürger nur Deutsch verstanden, erklärte ich wieder und wieder, wie man sich durch Second Life bewegen kann. Irgendwann schrieb ich die Informationen dann auf und baute ein kleines Tutorium, in dem sich neue Avatare selbst einlesen konnten. Linden Lab, die Betreiber von Second Life, waren auf die Bevölkerungsexplosion nicht eingestellt. Sie nutzten gerne mein Angebot und lenkten für einige Zeit den gesamten Geburtenstrom aus Deutschland auf mein kleines Zuhause, das mittlerweile auf dem Server namens „Samoa“ lag.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich ganz verschiedenen Projekten in Second Life gewidmet. Ich schrieb für eine Zeitung kleine Reiseberichte, baute für einen schwedischen Kunststudenten ein Kino, flog oft kreuz und quer durch Second Life und bewunderte die Werke besonders talentierter Personen, die in unserer überschaubaren Welt als prominent galten.
Aus dem kleinen Gebäude wurde schon bald ein großes, gesponsert von der Pixelpark AG, das ich noch heute gemeinsam mit Bernd Schmitz, einem Dozenten der RFH Köln, und vielen engagierten Mentoren betreue. Ich bin jetzt beinahe überflüssig. Eigentlich habe ich nur noch repräsentative Pflichten und aktualisiere ab und zu die Informationen.
Die durch die Presse angelockten Neuzugänge kamen meist, weil sie gehört hatten, dass man in Second Life Geld verdienen und Sex haben könne. Vor allem wegen letzterem musste sich Funaria, eine Frau Mitte Dreißig mit grünen Augen und dunklen, halblangen Haaren, trotz für Second Life sehr unauffälliger Kleidung oft zur Wehr setzen, was sie dank des Besitzes der Landrechte im deutschen Tutorium auch effektiv kann. Ein Landbesitzer kann nämlich bestimmen, wer Zutritt hat und wer nicht. Das führt aber auch zu absurden Auswüchsen- Viele möchten in Second Life ihre Privatsphäre wahren, weshalb sie Sicherheitssysteme auf ihren Grundstücken installieren, also Alarmanlagen, die Fremde fernhalten sollen. Betritt ein Fremder das Grundstück, wird er hinauskatapultiert. Eine absurde Marotte, die gar nicht zu der Offenheit dieser Welt passt, denn es gibt in Second Life keine echte Privatsphäre.
Die „Alten“ bildeten jetzt die Minderheit in Second Life; das kollektive Gedächtnis der Welt schrumpft zunehmend, denn nur wenige der „Neuen“ hatten zu dieser Zeit die Geduld, sich in die Welt und Kultur von Second Life zu vertiefen. Viele verschwanden gleich, nachdem sie merkten, dass die Glücksversprechen nicht so einfach eingelöst wurden. Viele von ihnen machten ihrer Enttäuschung ihrerseits in der Presse Luft und sorgten damit für ein Ende des Hypes.
Die Spuren des Hypes sind noch vorhanden: leere Clubs, verlassene Strände, öde Kopien realer Städte (Frankfurt, Köln), und bald bleibt auch davon nicht mal mehr „der durch sie hindurchging, der Wind“.
Firmen wie BMW, die Post, die Bildzeitung, neu.de, Eon, Nissan, Playboy, die Nachrichtenagentur Reuters, die sich zur Goldgräberzeit eigenes Land (in Form eines bei Linden Lab aufgestellten Servers) kauften, haben die Verträge bis auf wenige Ausnahmen gekündigt und sind zum Glück mit Sack und Pack verschwunden. Die Grundstücke sind weg und es trauert ihnen niemand nach.
Im Jahr 2005 gab es nur zwei Kontinente. Plötzlich gab es immer mehr versprengte Inseln und heute, 2009, fallen die Hauptkontinente kaum noch zwischen den Unmengen an großen und kleinen Inselgruppen auf. Entgegen der populären Annahme, wächst die Welt von Second Life immer weiter.
Verband uns früher ein Gemeinschaftsgefühl, so ist es heute sehr viel anonymer geworden. Ich finde das sehr schade. Eigentlich trifft man kaum mehr jemanden zufällig, man muss sich miteinander verabreden. Second Life wird heute eher zweckorientiert, z.B. als Kommunikationswerkzeug, genutzt.
Das wirkt sich auch auf den allgemeinen Umgang mit Second Life aus.
Die meisten erschaffen heute realistisch anmutende Nachbauten, gigantische Häuser im amerikanischen Stil, mit Kamin, Flachbildfernseher, Blick aufs Meer oder große Bürokomplexe. Sie entwerfen Küchen, die aussehen, als seien sie von Poggenpohl. Das ist ernüchternd. Da verfügen wir über die Technik, uns in einer neuen Welt mit unbegrenzten Möglichkeiten zu bewegen. Und was tun viele? Sie kopieren die alte Welt.
Natürlich ist mein Avatar im Vergleich zu dem, was möglich ist, auch sehr realitätsverhaftet.
Aber Funaria hat im Laufe der Jahre eine Eigendynamik entwickelt, das ist vergleichbar mit Autoren, die von ihren Figuren erzählen, auch die entwickeln irgendwann ein Eigenleben. Funaria hat natürlich auch Anteile von meiner realen Person, aber eben auch eine eigene Persönlichkeit entwickelt, durch die vielen Gespräche mit Leuten in Second Life und die Art und Weise, wie ich mich als Funaria gebe und welche Funktion ich in dieser Welt übernommen habe.
Wo beginnt die Realität? Meine Gefühle und Erinnerungen sind real, ich teile sie oft mit anderen realen Personen, die sie mit mir zusammen durch ihren Avatar erlebt haben.
Noch auf Slate habe ich an einem Trauergottesdienst teilgenommen. Jemand, der einen lieben Menschen in der Katastrophe von New Orleans verloren hatte, veranstaltete ihn.
Ich habe virtuellen Hochzeiten beigewohnt, und es gibt eine Kirche, in der Menschen Gedenkkerzen aufstellen, für ihre tote Mutter, ihr totes Kind.
Auf meiner Freundesliste stehen sechzig Namen. Ich kann immer sehen, wer gerade online ist. Mein bester Freund ist ein Engländer, dessen Avatar man als Verbeugung vor der Punkkultur der 80er verstehen kann. Er heißt Shep Korvin und betreibt einen Laden in Bermudas. Er ist der einzige, mit dem ich regelmäßig auch außerhalb von Second Life spreche. Anfangs verkaufte er Unterwäsche für Tänzerinnen, mittlerweile verkauft er andere Produkte. Unglaublich erfolgreich sind seine Stühle, auf denen jeweils ein Buchstabe steht. Kommt ein Kunde, dessen Name mit einem der Buchstaben beginnt, gewinnt er einen Preis. Plötzlich wollte jeder Laden in Second Life diese Stühle haben, um Kunden anzulocken. So ist Shep berühmt geworden und einer der ganz wenigen, die inzwischen von ihrem Einkommen in Second Life leben können. Shep bedeutet mir mehr, als die meisten Leute in meinem ersten Leben, obwohl ich ihn noch nie persönlich getroffen habe.
Jetzt, nachdem die Leute, denen es um Zerstreuung, Geld und Sex ging, Second Life verlassen haben, nutzen verstärkt Bildungseinrichtungen diese Welt. Auch das ist Teil des neuen Realismus, der durchaus dem neuen Wunschimage von Linden Lab entspricht. Ich habe beobachtet, wie eine Highschool Klasse mit ihrer Lehrerin ein Projekt zum digitalen Copyright gemacht hat. Dazu haben sie eine Ausstellung organisiert, eine Präsentation, wie man das sonst im Klassenzimmer mit Plakaten machen würde. Gegen eine solche Idee würden deutsche Schulen Sturm laufen, weil der Zeitaufwand und die technische Hürde zu groß wären. Amerikaner gehen viel entspannter mit neuen Technologien um. Sie sagen: so lernen unsere Schüler 3D-Werkzeuge zu bedienen, das können sie für viele andere Tätigkeiten später gebrauchen.
Künstler experimentieren neben Rollenspielern am häufigsten mit dem Potential von Second Life. Erst vorhin habe ich in einem Blog gelesen, dass jemand eine Theateraufführung plant, eine Inszenierung von Arthur Schnitzlers „Reigen“. Außerdem hat vor kurzem ein Jules Verne Museum eröffnet, welches ich mir unbedingt ansehen möchte. Es gibt auch einige Kunstgalerien in Second Life. Die Künstlerin Angrybeth Shortbread finde ich beispielsweise spannend, weil sie mit der Mechanik und den Grenzen spielt. Sie hat zum Beispiel ein Programm geschrieben, welches, klickt man auf eines ihrer Ausstellungsstücke, die DNA des Avatars aus dem jeden Avatar eigenen Identitätscode erzeugt. In einer anderen Rauminstallation werden diese Codes in Musikfragmente übertragen und es ergeben sich immer neue Melodien, wenn andere Personen den Raum betreten.
Nur wenig wird von ihrer Kunst bleiben, wenn sie einmal Second Life verlassen wird, denn zum Kauf bietet sie die Werke nicht an. Verlässt ein Avatar Second Life, liegt sein Profil erst einmal brach. Hatte er Land, wird es geleert oder gar gelöscht, sobald er seine Miete nicht mehr bezahlt. Ich erinnere mich an so viele Orte, die es nicht mehr gibt.
Abseits des Hauptkontinents liegen einige Inseln, die nach deutschen Schriftstellern benannt sind, nach Goethe, Benn, Brecht, Mann. Einst waren das beliebte Treffpunkte von Deutschen. Auf der Mann-Insel steht ein Biergarten, in dem früher immer viel los war. Avatare saßen unter blauem Himmel beisammen und unterhielten sich, im Hintergrund die Berge, als wäre man im Oberbayern eines US-Amerikaners. Auch die Inselgruppe Germania ist mal ein belebter Ort gewesen. Es gibt hier noch ein Einkaufszentrum, in dem Schuhe verkauft werden und anderes. Tatsächlich kauft hier nur noch selten jemand ein, die meisten Verkäufe machen Ladenbesitzer vermutlich inzwischen über eine Internetplattform, die Second Life angegliedert ist.
Der erste deutsche Club hieß Strandclub und stand auf dem Land von Anshe Chung, der viel zitierten „SL-Millionärin“, dort tanzte man. Heute ist „Die Insel“, auf der der Club stand, völlig leer. Es gibt nur noch Grasflecken im Meer, die den Namen „do not sell“ tragen. Gerade erst haben wir die Welt bebaut, jetzt verlassen viele sie schon wieder. Die Welt ist so weitläufig geworden, es gibt nun Gegenden, die so verlassen sind, dass einen das Gefühl beschleicht, man laufe über einen entvölkerten Planeten. Und auch das gefällt mir.
Es gibt verschiedene Versuche, der Geschichtslosigkeit entgegenzuwirken. Ich habe selbst eine Zeitlang Fotos meiner Mitbewohner gesammelt, mit denen sie eine besondere Erinnerung verbanden. Sie schrieben einen kleinen Text mit der Erinnerung und ich stellte diese Sammlung in Second Life aus.
In der Region Phobos gibt es sogar schon seit 2004 ein historisches Museum. Es ist in einem offenen Gebäude untergebracht, ohne Fenster, ohne Türen, jeder kann hinein. Auf drei Ebenen, die wie weiße Kreise übereinanderliegen, sind historische Objekte ausgestellt. Zum Beispiel das erste Nilpferd, das heimliche Wappentier von SL, die ersten Fahrzeuge, die jemand in Second Life gebaut hat, oder Bilder von wichtigen Ereignissen, wie den Protesten gegen die Landsteuer oder dem jährlichen Kunstfestival „Burning Life“. Man kann sich im Museum auch frühe Landkarten anschauen, die zeigen, wie die Welt aussah, als es nur zehn Inseln gab. In einer Welt, in der die meisten Bauwerke nicht älter als ein Jahr sind, ist das Museum selbst schon ein historisches Monument.
Außerhalb von Second Life gibt es auch schon Bestrebungen unsere Geschichte zu retten. An der Universität Stanford, genauer am Stanford Humanities Lab, gibt es ein Projekt mit dem Namen „Preserving Virtual Worlds“, das sich in Zusammenarbeit mit Linden Lab auch um eine Dokumentation verschiedener Plätze in Second Life bemüht.
Ich biete gelegentlich historische Touren durch Second Life an, zu seinen Anfängen, wie z.B. dem ältesten Objekt in Second Life oder den frühen gestalterischen Versuchen von Linden Lab, Second Life eine eigene Kultur anzudichten. Ich zeige den Leuten die wichtigsten Stätten, die dokumentieren, wie sich die Welt entwickelt hat. Z.B. die Pooley Stage, auf der Lindens früher „Town Hall Meetings“ mit Bewohnern abhielten, damals, als Linden die Welt noch klein genug für eine Demokratie hielt und mit dem Spruch „Your world. Your imagination“ warb.
Ich glaube, es gibt wieder ein Bedürfnis nach Geschichte bei Neuankömmlingen.
Im September feiere ich meinen vierten Geburtstag in Second Life und ich habe vor auch noch länger zu bleiben. Ich möchte verfolgen, wie es in Second Life weiter geht, was wir damit in Zukunft anfangen.
Während andere virtuelle Welten aussterben und veröden, können offene Plattformen wie Second Life davon profitieren, dass sie sich immer wieder neu erfinden können. Ich werde von Neulingen oft gefragt, was das alles eigentlich soll. Ganz ehrlich: ich weiß es nicht. Aber so ging es vielen ja auch, als sie zum ersten Mal das Internet entdeckten.
Im Moment kommt mir diese Welt wie eine Antwort auf eine Frage vor, die noch gefunden werden muss.

Sehr schöner Artikel
Hehe, ich erinnere mich noch sehr gut. War selbst noch ein Newbie und habe in deinem kleinen Tutorium während dieser Zeit ab und zu “Erste Hilfe” geleistet. Auch Theresa hab ich dort kennengelernt. Hatte sich also gelohnt
Eine Slideshow mit nachgesprochener Funi gibt es übrigens hier
Jaja, leider ist von deinem Text, jedenfalls in der Slideshow, nur wenig übrig geblieben, und die junge Dame scheint großen Wert auf die Verlassenheit zu legen. Sie möchte bestätigen, was sie vorher schon zigmal bei anderen gelesen hat. Zielsicher hat sie genau das herausgepickt, was ihre These belegt, der Rest ist Schweigen, zu mehr reicht es leider nicht. Es gibt ein paar Stellen, die mich da fast belustigen, zum Beispiel dieser Übergang: “Shep ist einer der Wenigen, die von ihrem Einkommen in Second Life leben können, und es gibt auch Kunstgalerien in Second Life.” Da muss irgendwas geschnitten worden sein, das gibt´s nicht. Und auch dieses Bedauern in der Stimme, wenn vom entvölkerten Planeten die Rede ist. Da schwingt er mit, der Brustton der Überzeugung. Sehr schön!
Immerhin drischt sie nicht darauf herum, das ist fast mehr, als man erwarten kann. Die Leute wissen jetzt, dass es in Second Life fast keine Leute, dafür aber ein Nilpferdmuseum und Stühle gibt, an denen man was gewinnen kann. Und eine Insel, die nach Thomas Mann benannt ist, wo aber niemand hingeht. Als Quintessenz kann sich das sehen lassen. Es ist jedenfalls besser als öffentlich gemachte Puffbesuche.
Die extrem entstellte Kurzvariante ist zum Glück nun aus dem Netz verschwunden und soll dann durch die Print-Fassung ersetzt werden. Da bin ich schon sehr froh.
Die Slideshow … tja, da blieb auch v.a. die Homestory übrig.
Lustig finde ich, dass Bernd statt Shep reingerutscht ist
Das letzte große Ding werden wohl bald eher die Printmedien sein, wenn weiterhin diese Art der einseitigen und hintergrundlosen Berichterstattung selbst in wie man vermuten könnte, seriösen Blättern fortgesetzt wird. Sicherlich ist dieser Artikel verglichen mit den vielen anderen zuvor einer der objektivsten und sachlichsten und ich möchte nicht versäumen wenigstens zu danken, dass überhaupt ein Resident einbezogen wurde. Dennoch ist es erschreckend zu sehen, wie in Deutschland Meinung trotz Unwissenheit und Ressentiments erzeugt und verbreitet wird. Der Artikel in der FAZ wirkt abschnittsweise wie ein Konzept, ein Stichpunktzettel mit den derzeit populärsten Ansichten und Irrtümern, stellt zusammenhanglose Fakten teils widersprüchlich gegenüber und ist sichtlich mit der heißen Nadel gestrickt worden. Es ist zu bedauern, das (Massen-)Journalismus ganz allgemein heute bedeutet andere Journalisten zu zitieren, von einer Selbstreferentialität lebt, die abseits der Wirklichkeit existiert und sogar auf elementare Fragen nur lexikalische, reflexionlose Antworten gibt. Themen zu ergründen und eine fundierte Meinung zu bilden, die man auch jederzeit aus eigenem Wissen verteidigen könnte, ist in Anbetracht des Zeit- und Leistungsdrucks offensichtlich nicht mehr möglich. Dennoch möchte Funaria für den Versuch danken, eine Welt darzustellen, die eben weder Jedermanns Sache ist, noch Anspruch auf Perfektion erhebt.
Etwas ganz bestimmtes war an diesem Artikel für mich das Bezeichnende, was auch die Frage beantworten könnte, warum es in Deutschland neuartige Ansichten so schwer haben. Es ist der fehlende Satz
Nach dem Sturmlaufen im Klassenzimmer war Schluß, ausländische Erfolge werden nicht benannt und darum wird sich daran hier auch nicht viel ändern. Dieser Artikel zeigt uns vor allem, wo der deutsche Tellerrand beginnt.
Ganz genau, Carbon. Das ist eine der Änderungen, die mit mir nicht besprochen waren. Ebenso fehlt der Hinweis auf das Forschungsprojekt in Stanford.
Ich finde es eine Frechheit wie die Presse alles zu ihrer Meinung entstellt. Leider musste ich dies bei einer Onlinezeitung auch schon erfahren und werde mich ebenso wie du nicht mehr der Presse aussetzen. Man bekommt das Wort im Munde herumgedreht!
Ich habe die “Kurzversion” nicht mehr zu sehen bekommen. Aber diese Slideshow.. das ist nicht die Funaria, die ich kenne (und Zeit für ein a wäre sicher auch noch gewesen).
Gerade in Verbindung mit der Stimme der Sprecherin gewinne ich aus der Slideshow den Eindruck, dass da eine etwas naive sehr junge Person spricht. Alle sachlichen Informationen hingegen fehlen vollständig.
Dass Medienberichte gelegentlich die Realität nicht wiedergeben, ist aber leider kein reines SL-Phänomen. Ich habe diese Erfahrung schon häufiger im Zusammenhang mit Berichten über Projekte an meiner Hochschule gemacht.
[...] Zitat von Mona Eichel Basiert der Artikel vielleicht auf dem Video im FAZ Feuilleton, welches in der Suche angezeigt wird mit Datum vom 15. Mai 2009: http://www.faz.net/….. Anm.: Auf der Seite steht zwar Slideshow starten, ist aber ein Video, allerdings mit Standbildern, vielleicht deswegen Slideshow? Egal, interessant anzuh
Dein Originalartikel ist Klasse,
es stände einer seriösen Zeitung gut den unverändert zu übernehmen
SandyLee .. erst etwas über 2 Jahre SL,
davon etwas mehr als 2 Jahre in Amazonien..
wir sind auch schon umgezogen von Ocean Depths nach Wolf Walk.
Einmal bekam ich “Heimweh” und ging an den alten Ort zurück, doch
garnichts erinnerte mehr an die alte Heimat.
Für mich ist SL nicht eine Welt, sondern eine große Vielzahl von Welten
.. unser Amazonien ist eine davon .. Gor ist eine andere .. Elfenland eine andere ..
SL ist aber keine All Inclusive Bespassung, man muss sich selber einbringen,
dann lebt es auch.
LG
SandyLee
Wirklich ein schöner Artikel.
Ich finde mich gefühlsmässig wieder.
Es ist schwer die Geschichte festzuhalten. Schön das es immer wieder jemand tut, indem er seine erzählt.
Und die Veränderungen die man als älterer Avatar vielleicht fast wehmütig wahrnimmt, beweisen doch nur um ein weiteres Mal: diese Welt lebt.
Ich finde den Artikel sehr gelungen, der Unmut über die durch die FAZ-Redaktion redigierte Fassung ist nachvollziehbar, allerdings sind die Änderungen noch vergleichsweise moderat, es gab in jüngster Zeit härtere Fälle (siehe etwa Patrick Wunderlands (SLtalk.de) Unmut über eine Kooperation mit einem Journalisten aus der WAZ-Gruppe, “Hanebüchen 2.0″).
Zumindest was die Print-Fassung angeht, die Slideshow reduziert die Aussage des Artikels wirklich in eine sehr ungünstige Richtung; die Online-Fassung des Artikels habe ich nicht mehr gesehen.
Da ich regelmäßiger den Mentoren-Blog verfolge als die FAZ
, habe ich den obigen Blogeintrag samt Kommentaren zuerst gelesen und finde – was die FAZ draus geschnipselt hat – weniger schlimm als befürchtet. Aber schade ist es allemal, dass die Tendenz des Artikels etwas verfälschend daherkommt.
Funarias Langtext finde ich schön, schön authentisch, bewegend, trotz oder gerade, weil die Sprache eher nüchtern ist, beschreibt, aber nicht ausschmückt und mit “großen” Adjektiven verziert. Keinerlei Gehype, aber auch nicht die Spuren einer unterschwelligen Rechtfertigung, in virtuellen Welten seine Real-Zeit zu “verplempern”, wie das so oft in ähnlichen Texten mitschwingt.
In der Standbildvertonung der Zeitung der vermeintlich klugen Köpfe kommt bei mir wenig rüber, das klingt eher resignierend und desillusioniert. Bei Funaria les ich von Wandel, auch Verlusten, aber auch neuem Aufbruch, Dynamik, Weiterentwicklung. Bei der FAZ klingt es nach Beerdigung.
Anderer Aspekt: (Print-)Medien-Bashing ist im Web 2.0 ja auch gern mal “in”, oft wohl begründet, aber manches, was an Printmedien kritisiert wird, trifft – sind wir ehrlich – nicht weniger genauso für Online-Medien und Blogs zu, z.B. die oben von Carbon so schön und treffend formulierte Passage um “Selbstreferentialität abseits der Wirklichkeit”. Nachvollziehbar, aber schade finde ich, wenn man sich aus wechselseitiger Enttäuschung in zwei vermeintlich gegnerische Lager zurückzieht (das sag ich als jemand, der für print wie online schreibt).
Spannend finde ich die Berührungspunkte von Medien und wie die Überschneidungen und Vermischungen sich zeigen. Hier schreibt eine Print-Zeitung über eine Online-Welt und macht parallel eine Online-Diashow draus (läßt sich also zumindest technisch schon mal auf diese “andere” Ebene ein, ist nicht das WWW DIE erste virtuelle Welt überhaupt?), da bietet eine SL-Literaturgruppe Real-Bücher in digitalisierter Form an, dort sendet eine Radio-Sendung zeitgleich einen Stream in SL und nimmt Fragen und Kommentare von Avataren in die Live-Sendung. All das ist gut und wichtig, auch wenn es manchmal (wie in diesem Beispiel) etwas schief läuft. Aber ich denke, dass man an und in diesen Grenzbereichen und den Leuten, die dort aktiv agieren, erahnen kann, wie die Medien der Zukunft aussehen werden. Und da können, sollten und werden SLer aktiv mitmischen, ohne Frage.
Nachtrag: Es geht auch anders als bei der FAZ, s. das neue Juni-Heft von “Bild der Wissenschaft”, da heißt es in der Vorschau:
Second Life lebt – Die virtuelle Computerwelt überrascht mit Bildungs- und Kulturangeboten.
Hallo Funaria,
trotz alledem: Dank für Deinen Artikel!
Bedauerlich, daß Du solche Probleme hattest-
ich würde mich da aber nicht entmutigen lassen.
Alles Gute – in allen Welten !
cu !
BukTom Bloch
(-Freie SL-Bibliothek Pegasus-)
aka
Burkhard Tomm-Bub, M.A.
… P.S.:
Funaria- falls auch Du das für sinnvoll hälst:
Ich packe Deinen Originalartikel gern in einen Buchdeckel
und nehme ihn in die Bibliothek auf- würde das wirklich gerne machen !
Gib mir doch bitte gelegentlich kurz Bescheid, ob das von Dir aus gesehen in Ordnung ist.
MfG
BTB
Ich will gar nicht viel dazu sagen, dass Gedrucktes so häufig anders ausschaut, als der Autor es sich vorgestellt hat. Das ist einfach häufig so. Lieber über das freuen, was mal “gut” und sinnwahrend übernommen/bearbeitet wurde!
Viel mehr möche ich sagen, dass ich als blutiger Newbie von Funaria ein paar Fragen beantwortet bekommen habe – einige hatte ich mir schon gestellt, auf andere bin ich noch gar nicht gekommen. Wie gut, dass es dich in SL auch nach fast 4 Jahren noch gibt!
Mederia Seerose
P.S.:
Warte mit Spannung auf die Party…
Du hast seit neuestem einen prominenten Leidensgenossen, Funaria: M Linden!
Dem armen M ist genau das gleiche passiert: Er hat der BBC ein Interview gegeben und musste jetzt feststellen, dass die BBC wohl etwas anderes berichten wollte als er versucht hat, ‘rüberzubringen.
Nun reagiert er genauso wie Du mit diesem Beitrag: M veröffentlicht sein Originalinterview im Second Life Blog.
Den BBC Artikel gibt’s übrigens hier: What happened to Second Life?